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mehr als Freiwilligendienst? — ein Erfahrungsbericht aus der Praxis

Mein Name ist Fiona und ich mache meinen Bundesfreiwilligendienst bei „mehr als lernen“. Nach meinem Abitur war für mich klar, dass ich vor meinem Studium arbeiten möchte. Für mich war es wichtig, Erfahrungen zu sammeln und möglichst viel Neues zu lernen, weshalb mich ein Freiwilligendienst sehr angesprochen hat. Als ich dann „mehr als lernen“ bei meiner Recherche  gefunden habe, war mir klar, dass das ziemlich gut zu mir passen könnte, weil ich mich schon seit mehreren Jahren ehrenamtlich in der Jugendarbeit engagierte und es geliebt habe. Das Ganze jetzt noch auf politische Bildung zu erweitern war für mich die perfekte Zukunft. Außerdem hatte ich Lust eine neue Umgebung kennenzulernen, weshalb ich außer mir vor Freude war nach Berlin zu kommen.

Freiwillige, Team-Mitglieder und ehrenamtliche Helfer/-innen beim Arbeitseinsatz 

Wieso mache ich meinen Bundesfreiwilligendienst bei „mehr als lernen“? 

Das Allerbeste an meinem Bundesfreiwilligendienst ist eindeutig die Vielfalt meiner Aufgaben und die Verantwortung, die ich hier übernehmen darf. Damit kamen natürlich auch viele Herausforderungen auf mich zu, die nicht mit den Aufgaben in der Schule zu vergleichen waren, sondern andere, neue Fähigkeiten und Kompetenzen erforderten. In der Schule hat mich oft gestört, dass der Fokus ausschließlich auf der Leistung lag, auch wenn es natürlich ein paar Ausnahmen gab. Während meiner Schulzeit habe ich nicht mal besonders gemerkt, dass mir etwas fehlt. Aber hier habe ich gelernt, dass nicht nur die Ergebnisse der Arbeit zählen, sondern auch wie du dich entwickeln möchtest und wie es dir dabei geht. So erzielt man meiner Meinung nach auch die besten Ergebnisse. „mehr als lernen“ bietet dir die Möglichkeit herauszufinden, in welchen Dingen du besonders gut bist und welche dir auch besonders Spaß machen. 

Was bin ich als Freiwillige bei „mehr als lernen“?

Was sind denn jetzt eigentlich meine Aufgaben  bei „mehr als lernen“ ? Ich bringe mich derzeit sowohl im Büro ein, als auch in der Arbeit mit Jugendlichen ein. Bei Letzterem erhalte ich Einblick in unterschiedliche Arbeitsbereiche: 

Zu unseren Tätigkeiten gehören „Sozialkompetenztrainings“, bei denen Klassengemeinschaften durch erlebnispädagogische Trainings gefördert werden. Zu diesem Bereich gehören z.B. „Klassenfindungstage“ mit 7. Klassen unterschiedlicher Schularten. Die Klassenfindungstage sollen den Schüler/-innen die Möglichkeit geben, sich besser kennenzulernen und den Zusammenhalt in ihrer Klasse stärken. Schließlich werden sie noch eine lange Zeit miteinander verbringen. 

Ein weiterer Bereich ist „Schule gestalten“. Dort arbeiten wir hauptsächlich mit Schüler/-innenvertretungen zusammen und helfen ihnen dabei festzustellen, was an ihrer Schule besser sein könnte und wo sie sich selbst einbringen oder bestimmte Veränderungen einfordern können. Wir unterstützen sie dabei, diese  Projekte zu verwirklichen und dabei als Schüler/-innenvertretung gut zusammenzuarbeiten. Unser Ziel ist es, so nachhaltig wie möglich zu arbeiten und die Schüler/-innen auch in einzelnen Projekten während des Schuljahres zu betreuen / coachen. Das geschieht zum Beispiel während der „Follow-up Tage“, bei denen wir mit den Schüler/-innen gemeinsam auf den aktuellen Stand ihrer laufenden Projekte blicken und feststellen, wo sie vielleicht Hilfe brauchen und wie es weiter gehen soll. 

Direkt mit Schüler/-innen arbeiten wir außerdem im Bereich der Zukunftsgestaltung. Die Zukunftsseminare sind sehr vielfältig, was den Inhalt und die Teilnehmenden angeht. Wir arbeiten mit Schüler/-innen von der 7. bis zur 12./13. Klasse zusammen. Die Themen reichen dabei von Was sind meine Stärken?, Wo mache ich mein Betriebspraktikum?, Wie bewerbe ich mich richtig? bis zu Wie finde ich eine Wohnung?, Wie kann ich mich finanzieren, wenn ich ausziehe? und Was passiert nach meinem Schulabschluss? Das alles geht an vielen Schulen unter, weil  im Lehrplan an erster Stelle fachliche oder akademische Fähigkeiten stehen. Wir wollen eine Unterstützung für die Schüler/-innen sein und ihnen zeigen, wie man die Zukunft gestalten kann und worauf man achten muss. 

Daneben  gibt es noch die Arbeit im Hintergrund. Unsere Zentrale liegt in Berlin-Mitte, nahe dem Hackeschen Markt. In unserem Büro passieren alle Vorbereitungen für die Seminararbeit, wie Flips malen, Material packen und das inhaltliche Vorbereiten. Dazu gehören Aufgaben in der Buchhaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Büroplanung und so weiter. Auch als inhaltliche Assistenz in unseren verschiedenen Programmbereichen kann man viele Aufgaben übernehmen. Im Büro finden auch unsere Nachbereitungen statt, wir werten unsere ausgefüllten Feedbackbögen aus und erstellen Fotoprotokolle für die Schüler/-innen

Das Team bei „mehr als lernen“

Eine Sache, die meine Arbeit bei „mehr als lernen“ für mich wertvoll macht, ist die Teamarbeit und der Zusammenhalt. Egal ob bei der Vorbereitung eines Seminars, der Arbeit im Büro, in der Ausbildung unserer Trainer/-innen in der internen Akademie oder unter den Freiwilligen und Praktikant/-innen — ein wichtiger Bestandteil ist immer das Wir. 

Jeden Mittag wird zum Beispiel gemeinsam gekocht und gegessen — für alle, die Lust  haben. Zusammen zu essen und Pause zu machen ermöglicht uns, uns auszutauschen und das stärkt unseren Zusammenhalt und verbessert unser Arbeitsklima. Das Besondere an „mehr als lernen“ ist, dass man sich schnell als kleine Familie sieht. Ich bin nach meinem Schulabschluss nach Berlin gezogen und kannte dort eigentlich nur meinen Bruder, der hier seit drei Jahren wohnt. Schon in meinem ersten Monat habe ich neue beste Freunde gefunden. 

Sich bei „mehr als lernen“ einbringen und Verantwortung übernehmen

Als gemeinnützige Bildungsinitiative hat es sich „mehr als lernen“ zur Aufgabe gemacht, junge Menschen dazu einzuladen und zu befähigen, Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen zu bewirken. Eine weitere Besonderheit an einem Freiwilligendienst bei „mehr als lernen“ ist deshalb die Möglichkeit unser Arbeitsumfeld mitzugestalten. Schließlich wissen wir oft am besten, was in unseren Arbeitsbereichen notwendig ist oder was wir brauchen, um gut arbeiten zu können. 

Was habe ich in meinem Freiwilligendienst gelernt?

Aber das ist noch nicht alles, was ich hier gelernt habe. Ich konnte außerdem meine handwerklichen Kompetenzen erweitern oder vielmehr habe ich herausgefunden, dass ich überhaupt welche besitze. Alle drei Monate fahren die  Freiwilligen in das Bildungs- und Erlebnishaus Fleeth in Mecklenburg-Vorpommern. Das ist unsere eigene Jugendherberge, die wir neben anderen Jugendherbergen nutzen. Und um das Haus zu einem noch besseren Seminarhaus zu machen, findet dort alle drei Monate „Fleeth gestalten“-Arbeitseinsätze statt. Das bedeutet, dass wir  uns vier Tage Zeit nehmen, um handwerklich unterwegs zu sein. Es gibt jedes Mal tolle neue Projekte, ob Wände streichen, den Garten umgestalten oder neue Möbel bauen. 

Neben unseren Seminaren und dem regelmäßigen „Fleeth gestalten“ findet dort auch unsere internen Akademien statt, in denen wir die unterschiedlichen Bereiche kennenlernen und wir auf das Inhaltliche unserer Seminare vorbereitet werden. Was wollen wir den Schüler/-innen vermitteln? Welche Dinge sind besonders wichtig in jedem Bereich? Wie können wir das gut methodisch umsetzen? Auf diese und noch mehr Fragen erhalten wir Antworten. Die Akademien finden in den ersten paar Monaten des Freiwilligendienstes statt und sind Voraussetzung für deine Trainer/-innen-Qualifizierung, die du am Ende deines Freiwilligendienstes erhältst. Du bist dann also eine ausgebildete Seminarleitung. 

Ich liebe meine Arbeit hier und habe vor, sofern es sich irgendwie einrichten lässt, auch während meines anschließenden Studiums weiterhin bei „mehr als lernen“ zu arbeiten. Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in meinen Freiwilligendienst geben und konnte euch bei einer Entscheidung unterstützen. Mehr Informationen findet ihr auch auf der Website von „mehr als lernen“.

Eure Fiona