Jugendaudits 2010 in Steglitz-Zehlendorf

2010 wurde erstmals im Bezirk Steglitz-Zehlendorf eine Ausbildung zum/r Jugendauditor_in angeboten. Ziel des Projektes ist es, die Perspektive der Jugendlichen als Nutzer_innen in das Qualitätsmanagement von Jugendhilfeeinrichtungen einzubringen.
„Welche Stärken hat die Einrichtung, was soll bleiben, was sollten sich andere abgucken und was muss sich ändern?“, sind Fragen, denen ausgebildete Jugendauditor_innen nachgehen, um für die Einrichtungen ein Qualitätsgutachten mit Verbesserungsvorschlägen zu erarbeiten.
Neun Jugendliche absolvierten im Herbst 2010 erfolgreich die Ausbildung und haben im Anschluss daran zwei Jugendhilfeeinrichtungen in Steglitz begutachtet und beraten.

Jugendaudits – Das Konzept

Qualitätsmanagementsysteme werden inzwischen bereits in vielen Betrieben und auch in der Jugendhilfe zur Verbesserung von Prozessen, Leistungen und Produkten angewandt. Da Jugend-zentren Treffpunkte für junge Menschen sind, sollten sie auch von ihnen beraten, bewertet und verbessert werden. Der Einsatz von Jugendauditor_innen in Jugendhilfeeinrichtungen erweitert und fundiert die bislang rein internen Qualitätsüberprüfungen grundlegend und ergänzt durch die ausgebildeten Jugendlichen das Management durch einen externen und Zielgruppen orientierten Blick.

Die Ausbildung zum/r Jugendauditor_in richtet sich vor allem auch an arbeitslose und kurz vor dem Schulabschluss stehende junge Menschen. Wer unmittelbar nach Schulabschluss keinen Arbeitsplatz findet, muss in der Regel später nachweisen, in der Wartezeit etwas “Vernünftiges” getan zu haben. Die Qualifizierung und praktische Erfahrung im Qualitätsmanagement sowie im Bereich der Jugendhilfe fördern die Beschäftigungsfähigkeit und erhöhen die Chancen in verschiedenen Bereichen des Arbeitsmarktes. Außerdem sollen weitere Ausbildungsinhalte zu Teamarbeit, Kommunikation und zur Stärkung der Persönlichkeit den Jugendlichen bei zukünftigen Bewerbungs¬gesprächen, beim Studium oder auch am Arbeitsplatz helfen.
Gleichzeitig werden Jugendhilfeeinrichtungen noch zu wenig vom genannten Personenkreis genutzt, obwohl sie dort eventuell unterstützt werden könnten. Hier bestehen Entwicklungschancen.

Projektablauf

Das Projekt setzte sich aus mehreren Phasen zusammen. Zunächst erhielten die Jugendlichen in den Herbstferien 2010 eine fünftägige Ausbildung zum/r Jugendauditor_in, in der sie sich die grundlegenden methodischen Kenntnisse und Fähigkeiten für die Audits aneigneten. Im Anschluss daran arbeiteten die Jugendlichen in einem weiteren Workshop einen mehrseitigen Kriterienkatalog aus. Die Kenntnisse und konkreten Kriterienkataloge wurden sodann in konkreten Einrichtungs¬besuchen angewandt. Schließlich mussten die Begehungen und Befragungen ausgewertet werden und die Ergebnisse wurden auf dem Jugendforum 2010 in Steglitz-Zehlendorf Bezirkspolitiker_innen präsentiert.

Die Ausbildung

In den Herbstferien 2010 nahmen neun Jugendliche erfolgreich an der fünftägigen Ausbildung zum/r Jugendauditor_in teil.

Auf dem Seminarplan der fünftägigen Ausbildung standen:

  • Grundlagen des Qualitätsmanagements, das heißt Methoden zur Verbesserung von Produkten, Prozessen oder Leistungen Präsenz- und Präsentationstraining
  • Aufgaben der Jugendhilfe
  • Kommunikationstraining
  • Debattieren und Diskutieren
  • Methoden der Selbst- und Fremdanalyse
  • Persönlichkeitsentwicklung

Während der Ausbildung erhielten die Jugendliche Einblick in die Methoden und Techniken des Qualitätsmanagements und entwickelten selbst Kriterien für die Bewertung von Jugend­einrich­tungen. Grundlage für die Entwicklung der Kriterien war auch eine Einführung in die gesetzlich festgelegten Aufgaben von Jugendhilfeeinrichtungen und die Reflexion der Anforderungen aus Perspektive verschiedener „Jugendtypen“.

Darüber hinaus konnten die Jugendlichen in verschiedenen Aufgaben erproben, was gute Zusammenarbeit im Team ausmacht und wie sie Argumente sicher vor anderen – insbesondere auch gegenüber Erwachsenen – vertreten können. Außerdem erarbeiteten die Jugendlichen wichtige Voraussetzungen für Präsentationen. Die Kenntnisse konnten sie dann in theaterpädagogischen und persönlich­keitsentwickelnden Übungen anwenden.

Am Ende der Ausbildung hatten die Jugendlichen einen mehrseitigen Kriterienkatalog mit wichtigen Anforderungen an Jugendeinrichtungen formuliert, der die Grundlage für die anschließenden „Audits“ in den Jugendzentren bildete.

Audits in den Jugendfreizeiteinrichtungen JeverNEUN und in der Marshallstraße

Mit dem Wissen aus dem Seminar und dem selbst entwickelten Kriterienkatalog wurden von den beiden Jugendaudit-Teams Anfang November zwei Jugendfreizeiteinrichtungen besucht.

Von den Jugendfreizeiteinrichtungen, die sich für die Audits beworben hatten, wurden von den Jugendlichen das Jugendzentrum JeverNEUN und das Zentrum in der Marshallstaße zur Begut­ach­tung ausgewählt.

Die Begutachtung erfolgte in mehreren Schritten: einer Ortsbegehung in Begleitung der Mitarbeiter_innen, einem Interview mit der Leitung der Jugendhilfeeinrichtung und Gruppen­diskussionen mit jugendlichen Besucher_innen der Einrichtung.

Die Mitarbeiter_innen der Jugendeinrichtungen nahmen sich für die Begehung und die Fragen der Jugendlichen viel Zeit, wobei sie sich bereits mit den Jugendlichen über mögliche Verbesserungen austauschen konnten.

Ergebnisse der Audits

Insgesamt beurteilten die Jugendlichen die beiden Einrichtungen konstruktiv und weitgehend positiv. Über kleinere Mängel kamen die Jugendlichen mit den Mitarbeiter_innen bereits bei den Audits ins Gespräch und bemerkten, dass hier bereits ein Bewusstsein über bestimmte Mängel bzw. eine große Offenheit bezüglich eines Austausches über Verbesserungsmöglichkeiten bestand.

Für jede der Jugendeinrichtungen verfassten die Jugendlichen mit großem Engagement einen Bericht, der sowohl positive Merkmale der Einrichtung hervorhob, wie auch Verbesserungsbedarf und -möglichkeiten benennt. Die zwei Einrichtungen, die von den Jugendauditor_innen unter die Lupe genommen wurden, erhielten abschließend außerdem ein offizielles Zertifikat, das ihre besonderen Qualitäten hervorhebt. Zudem überreicht ihnen das zuständige Jugendamt eine Qualitätsplakette im Sinne einer Auszeichnung für ihr Interesse an einer ständigen Verbesserung ihrer Angebote sowie an einer transparenten Arbeitsweise.

Die Einrichtungen zeigten sich nach dem Audit und der ersten Rückmeldung sehr interessiert an einem vertiefenden Austausch über die Beobachtungen und Vorschläge der Jugendauditor_innen, um auch bei der Umsetzung der Anregungen weiterhin beraten zu werden.

Das Jugendforum 2010 bot den Jugendlichen schließlich einen großartigen Rahmen, um ihre Ergebnisse nicht nur den Jugendeinrichtungen selbst, sondern auch der Öffentlichkeit und lokalen Politiker_innen zu präsentieren. Die Jugendauditor_innen berichteten von ihrer Ausbildung und der Erfahrung, als Qualitätsgutachter_innen in den Einrichtungen gewesen zu sein. Sie machten ihre Ergebnisse der breiteren Öffentlichkeit bekannt und setzten sich für die Fortführung des Projekts ein. Den deutschlandweit ersten ausgebildeten Jugendauditor_innen wurden ihre Ausbildungs-Zertifikate überreicht. Sie selbst händigten der Jugendamtsleiterin und der zuständigen regionalen Leiterin die Auszeichnungen für die Jugendfreizeiteinrichtungen in ihrem Bezirk aus.

Von den Bezirkspolitiker_innen kamen sehr positive Reaktionen auf den innovativen Ansatz des Projekts, so dass sie sich u.a. für eine Verstetigung des Jugendaudit-Verfahrens einsetzen wollen, um das Qualitätsmanagement der Jugendfreizeiteinrichtungen zu erweitern.